Wozu Politik

12.12.2015 / / Politik
Politik Asyl

Es ist Teil der modernen Tragödie, dass Politiker einen ähnlichen Ruf besitzen wie Zuhälter. Es ist eine Folge der individualisierten Informationsgesellschaft, dass jeder Redenschwinger ein besserer Bundeskanzler wäre als der amtierende. Politik, neben dem Fußball seit jeher ein Gebräu der Stammtische, ist dank der sozialen Medien endgültig zum Hoheitsgebiet aller geworden.

Politik, ein abgenutzter Begriff. Schmutzig, korrupt, populistisch, verführerisch, abgehoben, gesteuert. Eine Branche mit unrettbarem Ruf.

Schade eigentlich. Dabei wären das jene Menschen, die entscheiden, welche Qualität von Lebensmittel wir auf den Teller serviert bekommen. Wie wir mit Sexualstraftätern umgehen. Ob wir Soldaten, worunter sich auch ein paar Söhne und Töchter befinden werden, in Kriege schicken. Ob bei dir, lieber Leser, eines Tages Sterbehilfe angewandt werden darf. Ob ich Leser oder LeserInnen schreiben muss. Wohin wir weiter wachsen wollen. Was in unseren Schulbüchern stehen soll. Wann die Todesstrafe angewandt werden soll. Wie viel Dreck die Erde verträgt. Wann Kritik an jenen Menschen angebracht ist. Ob die Kritik auch angemessen ist. Wo ich mich hinwende, wenn ich krank bin. Ob systemrelevante Unternehmen staatliche Unterstützung erhalten. Ob umgewidmet werden darf. Wie wir mit unseren Haustieren umgehen. Wer eine neue Zufahrtsstraße erhält. Welcher Verein, welche Organistation, welche Institution, welcher Industriezweig, welches Medium förderungswürdig ist. Wann Eltern ihre Kinder abgeben müssen. Was man präventiv gegen Terror tun kann. Wie wir es mit der Religion oder unserem persönlichen Glauben halten. Woher das Wachstum für nächstes Jahr kommen soll. Und für das Jahr danach.

Zu diesen Fragen gesellen sich bei näherem Nachdenken noch unzählige andere. Politik soll Gesellschaft, Menschen also, einen Handlungsrahmen für ihr tägliches Leben geben. Mit Anreizen, Förderungen, Geboten, Verboten und Strafen. Damit das klappt, treten unterschiedliche weltanschauliche Modelle über Medien in Konkurrenz und am Ende des Tages, am Wahltag, werden die Noten und damit die Stärke für die kommenden Jahre vergeben. Für so existentielle Fragen wie die oben gestellten eigentlich eine gute Idee, um für einen Ausgleich in unseren Demokratien zu sorgen.

Doch die Theorie humpelt der Praxis hinterher. Dafür gibt es viele Gründe. Ich will versuchen, in den nächsten Beiträgen ein paar davon Schritt für Schritt zu erklären.

 

Markus Pühringer
Werdegang: Journalist, Kellner, Autor und Vater. Was mich antreibt: Philosophie, Menschen und Sport. biography: journalist, waiter, author and father. what moves me: philosophy, people and sport.

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