Scheherazade

09.03.2016 / / Literatur & Poesie
Frau

Grüß Gott, Pröll. Ich besitze viele Schätze im Osten Österreichs, einem zentralen Örtchen in Europa.

Buenos dias, Messias. Mein Name ist Trump, Donald Trump. Ich komme mehr aus dem Bayrischen, aber das ist eine long story. Um´s abzukürzen: Welche Gemeinsamkeiten gibt´s? Gibt´s Differenzen?

Kennen Sie Karl May? … Egal. Ich verfolge Ihre Karriere schon seit Langem. Beeindruckend. So einen Burschen wie Sie könnten wir hier am Alten Kontinent gut brauchen.

Haben Sie doch. Schauen Sie mal in den Osten. Polen, Ungarn, Slowakei, Tschechien, Türkei, Russland. Mögen sich zwar nicht alle immer, aber die Typen gibt´s.

Nunja, der Putin ist jetzt nicht gar so geschmeidig wie Sie, Mister Donald. Das ist ein Typ mit Prinzipien. Ich hab erst unlängst mit ihm geskypt. Wollte wissen, auf wen ich mich für Niederösterreich mehr verlassen kann. Auf ihn oder Sie, wenn´s in der Welt Spitz auf Knopf steht?

Haha, nuke them, man!

Sehen Sie, das meine ich: ich kröne nun seit Jahren die Weinköniginnen im Land und das würde ich gerne auch in Zukunft…

Haha, nuke´em all, Mann!

Ich ruf jetzt den Sanders Bernie an. Vielleicht versteht mich wenigstens der. Auf Wiederschauen.

Jaja. Servus!

(Ein skype-Gespräch zwischen Erwin Pröll und Donald Trump am 01.01.2017, aufgezeichnet und veröffentlicht von Edward Snowden)

Ist natürlich eine Horrorfiktion. Donald Trump wird vielleicht nicht US-Präsident, Erwin Pröll ist vielleicht eh noch immer Landeshauptmann von Niederösterreich. Und überhaupt könnten Konfliktherde wie die Ukraine, Nordkorea oder Syrien Anfang nächsten Jahres kein größeres Problem mehr sein als sie es heute sind.

 

 

Als junger Bursche habe ich einen folgenschweren Fehler gemacht. Ich gestehe: es geschah im Überschwang der eigenen Lässigkeit. Ich habe damals meinem Cousin erzählt, mir habe eine Handleserin vorausgesagt, wann ich sterben würde. Und im Feburar 1987 würde es soweit sein. Ich wollte ihn schockieren, was ich auch kurz erreicht hatte. Aber in Wahrheit habe ich mich selbst tief ins eigene Angstzentrum geschnitten: Denn die Zeit während dieser Zeit war die Hölle. Ich kann mich in jenen Tagen an keinen Tag erinnern, der nicht schrecklich und voller Furcht vergangen wäre. Und als der Februar vorüber war und ich sozusagen von meinem eigenen Fluch erlöst, war ich so erleichtert wie selten zuvor und später noch im Leben.

 

 

Jedes Jahr, kurz nach Weihnachten, kommen wir zusammen. Es sind dann an die 40 – 50 Personen im Raum. Man kennt sich, es ist für jeden von uns ein Teil seiner Großfamilie. Für Gerald, einem Cousin, ist es der Tag nach seinem Geburtstag. Wir sind jetzt auch seit zehn Jahren immer im selben Saal. Die kleinen Kinder sind mittlerweile in der Volksschule oder im Kindergarten. Die ganz Kleinen werden es dann bald sein. Seit ein paar Jahren haben die drüben im anderen Saal auch angefangen mit Weihnachtsliedern. Aber wir pfeifen uns eins und singen noch unbekanntere und ungewöhnlichere Christmas-Songs aus alter Vorzeit. Dazwischen, während die Alten in ihren Gedächtnisspeichern kramen, sagen die kleinen Kinder aufmunternde und fröhliche Worte aus dem Kindergarten oder der Volksschule auf.

Wir sind alle sehr selig in diesen Stunden, glaub´ ich halt zumindest. Es gibt unsagbare viele Geschichten zwischen den Menschen dort, viele davon sind ausgesprochen. Einige davon sind wahrscheinlich nie gesagt worden. All das darf in diesen Stunden Schweigen und das ist gut so. Gerald hat mich 2015 gebeten, einen Text über dieses Treffen zu schreiben und jede einzelne Person aus meiner Sicht zu beschreiben. Ich habe das schon einmal über eine gemeinsame Segelreise gemacht und ich glaube, Gerald mag, was ich schreibe. Aber ich habe mir das überlegt. Es wäre ein Buch und kein kurzer Text zum Drüberfliegen vor dem Einschlafen im Netz. Es müsste zumindest nach 1945 beginnen und könnte sich dann langsam über die Jahre bis 2016 fortschreiben, um zu erklären, warum wir so sind, wie wir sind. Ob wir überhaupt das geworden sind, was wir sind. Und ob ich irgendein Recht hätte, darüber zu schreiben.

Ich habe es nicht. Denn ich mag diese Treffen. Ich mag diese Menschen dort. Ich finde es jedes Jahr wieder lustig, spannend, interessant mir ein Bild davon machen zu können, was mit jenen passiert ist, die ich nicht gesehen habe. Oder was ich nur vom Hörensagen mit bekam. Wie die Alten miteinander noch immer die selbe weinselige Gemütlichkeit in sich Tragen wie in meiner Kindheit. Wie sich die alten Tanten und heute Omas um die Enkerl und die Großneffen und – nichten kümmern und vor Freude mit den tatsächlichen Müttern um die Wette strahlen. Wie die Jungen am anderen Tisch beisammen sitzen, bei Bier oder Zigarette (am Balkon) fachsimplen über Verwandtschaft, Vaterschaft und Frauen im Allgemeinen sowie der Bedeutung des Sports im Leben. Wie sich die jungen Frauen über Neuigkeiten aus Job, Kinder und Alltag austauschen und gar viele schon nach dem Essen beginnen, permanent die Sitzplätze zu wechseln um von überall, den ganz Kleinen, dem Mittelalter, und den Alten etwas mitzubekommen.

Neun Kinder kamen ursprünglich aus der Familie. Einer davon blieb kinderlos. Er starb aber auch als Ältester als Säugling. Freu ich mich schon auf Weihnachten 2016!

Markus Pühringer
Werdegang: Journalist, Kellner, Autor und Vater. Was mich antreibt: Philosophie, Menschen und Sport. biography: journalist, waiter, author and father. what moves me: philosophy, people and sport.

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