Kein Sommer wie damals

06.07.2017 / / Literatur & Poesie
porträt ohne mund

Es ist schon zu lange her, dass es hier etwas Neues zu lesen gab. Das Cafe ist noch immer dasselbe, das Platzerl natürlich auch, aber die Mädchen flanieren jetzt in kurzen Röcken und viele stöhnen nun, wo die Ferienwelle ganz Österreich erfasst hat, wegen der Hitze. Im Winter wird auch wieder gestöhnt, aber andersrum.

Vor wenigen Tagen erreichte mich die bedenkenswerte Anmerkung, es sei angesichts des Wetters während der Jahreszeiten immer wieder erstaunlich, wie sehr man im hier und jetzt lebe. Deshalb nämlich, weil man sich bei klirrender Kälte nicht mehr an die Hitzewelle des Vorsommers erinnere beziehungsweise vice versa. Ich zitiere: „Im Winter, wenn es kalt ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass es im Sommer wieder extrem heiß wird. Und umgekehrt.“ Mich stimmt die Anekdote nachdenklich. Denn der Mensch scheint ein Esel zu sein, der nur für den Moment lebt. Was sich ja in vielerlei Hinsicht bewahrheitet. Wer denkt schon wirklich an übermorgen, es sei denn, die Frau hat Geburtstag oder es ist Muttertag. Mehr als der Blick auf die Kreditrate oder die Kursentwicklung der Wertpapiere ist nicht drinnen.

Zehn Millionen Euro für unsere Schulkinder allein in Oberösterreich

Mein dröger Blick aufs Jetzt wird unterspült vom Eindruck der 5. Staffel von „House of Cards“. Im binge watching Modus habe ich in den vergangenen Tagen Francis und Claire Underwood dabei zugesehen, wie sie Machterhalt betreiben. Sei auch nur ein Fünkchen wahr, ist es um die Vorausschau jener, die unser aller Wohl im Auge haben, schlecht bestellt. Doch abgewandt wie ich von der Politik lebe, finde ich eine Radionachricht von heute Morgen erbaulicher. Die Dreikäsehochs, die jetzt in die Ferien rübergleiten, erwartet eine ordentliche Portion Kohle. Allein hierzulande, zwischen Inn und Enns, verteilten die Lehrer über eine Million Einsen an ihre Schüler. Damit ergießt sich in den kommenden Wochen ein Geldregen von etwa zehn Million Euro über die jüngsten in unserer Gesellschaft alleine in Oberösterreich. Vorausgesetzt, Opi und Omi ist jede Eins einen Zehner wert.

Es stinkt auf den Ozeanriesen zum Himmel

Wirklich schön wird es, wenn ich daran denke, worin dieser Betrag investiert werden wird. Ein Eis hier, Pommes frites dort, dazwischen noch ein paar Computerspiele, sollten die noch modern sein. Oder, was ich eher vermute, wandert das gros in einen Kanal der Telekommunikation. Sie haben es sich verdient, die Kleinen! Solange sich Opi und Omi den Sommerurlaub auf dem Kreuzfahrtschiff noch leisten können. Nicht zufällig fällt mir der Luxusliner hier ein. Denn auch da habe ich Bedenkswertes gelesen. Es stinkt auf den Ozeanriesen zum Himmel, berichtet orf.at. Aber halt und nein, ich habe mich abgewandt von der negativen Selektion der News. Opi telefoniert also roamingfrei mit dem Enkerl und jammert über die schlechte Luft auf der Titanic. Und der Dreikäsehoch hofft, dass der Sommer nie zu Ende geht. Nie mehr soll es bitterkalt sein.

Markus Pühringer
Werdegang: Journalist, Kellner, Autor und Vater. Was mich antreibt: Philosophie, Menschen und Sport. biography: journalist, waiter, author and father. what moves me: philosophy, people and sport.

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