Die letzte Zugfahrt

06.04.2016 / / Literatur & Poesie
stadl-paura

Die letzte Zugfahrt woar sehr schen, ich bin im Raucherabteil g´wn.

Bis Amstetten woar i stumm, dann saß a mäderl drübn.

22 war sie, arbeitet und studiert; und bewirbt sie in St. Pölten für a Praktikum.

Unbezohlt im Sozialbereich, die Soziologen miasn ois probieren.

Im Sommer foarts nach USA, schaut sie mit ihr´m Hawara d´ Westküst oan.

Den Trump wüss ned segn, und gwinna wieda a ned, sogt´s.

In St. Pölten kummt is Geburtsogskind von gestern eina. Bsoffn und ohne schlof, regt er den Security-Herren daneben auf, der am Westbahnhof plötzlich sein klan Buam mit´n Wagerl sonft durch d´Massn schiabt. Aber is Geburtstosgkind is dem Security zu steil, weil er a a bisserl an Bledsinn redt.

A Paarl aus Mariazöll is eigstiegn in den Raucher, san oba goar koane, Raucher nämlich. Jetzt denkt sie is Geburtstogskind laut: „Is des lustig, Nichtraucher im Raucher! Is ungewöhnlich. Und Raucher in dem Euta siagt ma a södn. Weil Raucher in dem Euta sitzn normalerweise goar nimma do, sondern san scho a boia Meter unter da Erd.“

Des Paarl is witzig und wir lochn olle, und bis Wean red ma übers Rauchen und is Ödawerdn im Oigemeinen. Der weibliche Part vom Paarl sogt dann no beim Aussteign, „wissen´S, des erlebma in Mariazell in an gonzn Joar ned, was do in da Großstodt passiert. Am Lond is a wengerl ruhiga.“ Ich loch a wengerl und wir sogn „Servas“. Is Geburtstogskind torkelt zum Cousö, der z´Wean Medizin studiert und eam a boa Tagerl Unterschlupf gewährt.

Somit war ich in Wien angekommen und konnte meinen Tagesplan erledigen.

Am Hoamweg woas don so, dass der Muhammad aus Syrien, nähe Homs, mia umgschaut a Marlboro onbotn hot. Afoch so. I hätt jo goa ned gfrogt, ghobt hob ich jo gnuag. Bis Linz woar kloar: sei Familie is no in da Türkei, a Mäderl und zwoa Buam, olle büdhübsch, genauso wia sei Frau. Da mittlere kann kickn wia da junge Zinedine, des hob i mit eigene augn gsegn. Whatsapp diafat international sei. Google a. Dahoam woar a irgendwos mit ana Cocktailbar und des glaub i dem Muhammad sofort. Und donn hot a ma no zagt, dass d´Familie Ende April a fixe Zuasog von da Botschaft in Ankara hod füa a Einreise in Österreich. Sei Deitschkurs fongt a boa Tog speda on. „Danke“ konn er scho. Und i woaß seit gestern, was des auf arabisch hoaßt: „Schukra“. Auch wenn es sicher foalsch geschrieben ist. Aber aussprechen kann ich es ab jetzt.

Markus Pühringer
Werdegang: Journalist, Kellner, Autor und Vater. Was mich antreibt: Philosophie, Menschen und Sport. biography: journalist, waiter, author and father. what moves me: philosophy, people and sport.

Kommentare