Bleifeder und Federblei and a bit more

21.03.2016 / / Literatur & Poesie
schönheit

Bleifeder und Federblei
 

Schwer ist das Deutsche, wenn du dich in ihr windest
und es entrückt der Sinn.
Easy going, easy listening, easy living…

 

Die Sprache, als Mutter noch dazu,
sie kann so leicht undurchschaubar sein.
Easy going, easy listening, easy living…

 

Lasst uns oben bleiben,
schwimmen auf der Oberfläche.
Easy going, easy listening, easy living…

 

Wer vermöge schon die Schwere
auszuloten, zu vermessen gar, qua Sprache? C´est pourquoi:
Easy going, easy listening, easy living…

 

Die Leichtigkeit des Dahinseins, wenn das Kind das Haus verlässt.
Die Schwermütigkeit des Spielers, nachdem er in den Federn angekommen war.
Easy going, easy listening, easy living…

 

Schwerelos durch die Zeit japsend,
immer vor, nie zurück. Es wird immer leichter werden.
Easy going, easy listening, easy living…

 

Paradoxon von allem und jedem: Jeder und niemand ist wichtig.
Nichts und alles hat Bedeutung.
Easy going, easy listening, easy living…

 

Bleikleid tragend und Federspiel trinkend
Bleibe ich in der Zeit, bleibe ich im Bilde
Easy going, easy listening, easy living…

 

Bleifeder und Federblei schreibend
texte ich zwischen den Polen.
Leicht ist das, ich weiß.

Wie leicht erst, wenn es schwer wird?
Easy to go, easy to listen, easy to live

 

Das Weidinger

 

Dort, wo der Strom der Stadt vorbeisaust,

wo, umringt von Burgen falschen Scheins,

die Zeugnis legen von der anderen Seit´ des Seins,

dort hat sich vom vergangenen Jahrhundert her was aufgehaust.

 

Stark steht es da, majestätisch gar und schreckt fremde Geister ab,

eine Oase in der Stadt,

zwischen Ottakring und Neubau,

und hält Tag und Nacht nach netten Gästen Ausschau.

 

Das Kaffeehaus, von dem hier die Red´, kennt Tausende Gesichter, namenlose Geschichten.

Noch heute kommen sie, die Jungen und die Alten,

die Spieler und die Harten,

die Fühlenden und Abgebrühten,

die Lebendigen. In der Hitze auch in den Garten,

auf ein großes Soda-Zitron oder ein kleines Bier, weil was gut war, verändert sich mitnichten.

 

Die Gläser hart wie Stahl,

die Schank durchdacht bis ins Detail,

die Vorhänge gelblich wie die Schwaden,

die durch das Haus noch weh´n. Wer einmal kommt, kommt wieder.

Ein verlängertes Wohnzimmer, wer das Haus verlässt, der geht als Sieger.

Ob Karten, Billard, Kegeln oder Bier; geflucht, gelacht wird in Tiraden.

 

Ein Geschwisterpaar führt durch das Haus,

die Mutter gibt es auch,

gemeinsam sehen sie in die neuen Zeiten, wild vereint im Tun,

und haben bestes Küchenpersonal und Ober, die alle lassen ihre Arbeit selten Ruh´n.

 

Ober Vl, im schwarzen Frack gewandt,

braungebrannt und wie galant,

seit 30 Jahren dem Hause treu,

wer in seine Augen schaut, der sich immer wieder freu.

 

Ober Ch, im schwarzen Frack gewandt,

burschikos im Schmäh und wie charmant,

hat so manches schon erblickt,

und manches Lachen schon im Keim erstickt.

 

Ober Di, im schwarzen Frack gewandt,

mit niemandem im Haus verwandt,

ist im Leben alles schon gewesen,

und steht noch immer gern´ dort am Tresen.

 

Ober Ma, im schwarzen Frack gewandt,

zu dem fällt mir nichts mehr ein,

außer dass er möcht´ halt irgendwann im Leben,

so gern´ ein Dichter sein.

 

Das Haus ächzt schon unter allerlei Gefahren,

doch die Herzen, die hier schlagen, tragen es noch sicher durch die nächsten Hundert Jahren.

 

 

Curious about these times

 

i don´t want to discuss racism here
i don´t want to talk about feminism
i don´t even wanna lament over capitalism – and its implications to the rest

ich will jetzt gar nicht über rassismus diskutieren
ich will auch nicht über feminismus reden
ich will nicht einmal mehr über den kapitalismus jammern – und seine auswirkungen auf den rest

i´d like to talk to you
about your hopes and fears,
your moments full of desire or despair.
your seconds, minutes, hours and years of feeling love – and the excitement in your eyes because.

ich würde mich gerne mit dir unterhalten
über deine hoffnungen und ängste,
deine momente voller sehnsucht oder verzweiflung
diese sekunden, minuten, stunden und jahre voller liebe – und über das leben in deinen augen gerade weil.

we know it´s now
and here we go

wir wissen, dass es uns nur einmal gibt
und wir sind täglich unterwegs

it´s not my death i fear
it´s not sense in life i miss
it´s not about the times they are changing

es ist nicht mein tod, den ich fürchte
es ist nicht der sinn des lebens, den ich vermisse
es sind nicht die schnelllebigen zeiten, um die es geht

it´s the bear market of empathy and reason in an ever closer world i am curious to follow

es ist der bärenmarkt der empathie und vernunft, der mich neugierig auf die zukunft macht.

Markus Pühringer
Werdegang: Journalist, Kellner, Autor und Vater. Was mich antreibt: Philosophie, Menschen und Sport. biography: journalist, waiter, author and father. what moves me: philosophy, people and sport.

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